SG Dynamo Dresden – Dynamik statt Dynamit

 

Dresden
Bild: Landeshauptstadt Dresden, Heimatstadt des SG Dynamo Dresden. Bildquelle: leoks – 211195852 / Shutterstock.com

Der Traditionsklub aus der Landeshauptstadt scheint mittlerweile die Kurve vom Skandalverein zum sportlich ambitionierten Klub mit Erfolg gekriegt zu haben. Negativschlagzeilen wie Fanrandale, finanzielle Probleme oder sportliche Krisen blieben seit Beginn der Saison 2015/16 aus. Stattdessen hat sich die Dynamo zum Vorzeigeklub gemausert und hat als Herbstmeister der 3. Liga beste Chancen, in die 2. Liga aufzusteigen. Zwanzig Jahre nach dem Abstieg aus der 1. Fußballbundesliga träumen Verantwortliche und Fans zwar noch nicht von einer Rückkehr ins deutsche Oberhaus, aber langfristig soll das natürlich das Ziel sein.

Die aktuelle sportliche Situation

Den Herbstmeistertitel konnten sich die Dresdner nach einer beeindruckenden Hinrunde mit nur einem verlorenen Spiel schon im Oktober sichern. Dass das letzte Spiel der Hinrunde ein Spiel Erster gegen den Zweiten wird, damit hätten wohl die Wenigsten gerechnet. Selbst bei einer Niederlage gegen die SG Sonnenhof Großaspach wäre Dynamo mit sieben Punkten Vorsprung Herbstmeister. 39 Tore in 18 Spielen sprechen eine deutliche Sprache über die Qualitäten der Mannschaft. Allein 22 davon erzielte das Sturmduo Justin Eilers und Pascal Testroet und avancierte damit zum besten Sturm der Liga. Die kluge Personalpolitik von Sportdirektor Ralf Minge mit der Verpflichtung von einerseits jungen und erfolgshungrigen Spielern und andererseits erfahrenen Akteuren mit Führungsqualitäten hat aus der Mannschaft eine funktionierende Einheit entstehen lassen, bei die auch Trainer Uwe Neuhaus entscheidend mitgewirkt hat. Mit der Einkaufspolitik wurde das Team noch einmal verjüngt und punktuell durch erfahrene Zweitligaspieler wie Andreas Lambertz von Fortuna Düsseldorf und Fabian Müller von Erzgebirge Aue verstärkt. Die folgende Tabelle zeigt, dass die Zugänge im Schnitt schon knapp 5 Ligatore erzielt haben und die Abgänge lediglich knapp 3. Bei der Erfahrung haben die Zugänge etwas weniger Ligaspiele auf dem Buckel. Das liegt aber in erster Linie am Karriereende von Cristian Fiél, der immerhin 368 Zweit- und Drittligaspiele aufzuweisen hatte. Wie sehr der Verein auf die Jugend setzt, zeigte sich unter anderem am 18. Spieltag, als der erst 17-jährige Markus Schubert im Tor der Sachsen sein Debüt gab.

Zugänge

Abgänge

Anzahl

14

13

Altersdurchschnitt

23,64

24,69

Ligaspiele Ø

26

50

Ligatore Ø

5,78

2,77

Die aktuelle finanzielle Situation
Zur Jahrtausendwende stand Dynamo Dresden noch kurz vor der Insolvenz. Nur ein Darlehen des Medienunternehmers Michael Kölmel über 5 Millionen Euro konnte seinerzeit das Überleben des Vereins sichern. Die Inanspruchnahme des Darlehens bedeutete in der Folgezeit einen finanziellen Kraftakt, da zehn Prozent der Einnahmen aus Fernsehgeldern an Kölmel abgegeben werden mussten. Aus finanzieller Not wurden die Fernsehrechte schließlich ganz veräußert. Inzwischen hat sich die Lage mehr als stabilisiert. Das Kölmel-Darlehen ist im nächsten Sommer restlos abbezahlt. Das abgelaufene Geschäftsjahr stand mit einem Gewinn von 3.4 Millionen Euro zu Buche. Die Fernsehrechte sollen zeitnah zurückgekauft werden. Mit einer soliden Finanzpolitik hat sich Dynamo in den letzten Jahren weitestgehend saniert und ist für die kommenden Aufgaben gut aufgestellt. Verantwortlich dafür ist nicht zuletzt die gute Zusammenarbeit von Geschäftsführer Robert Schäfer und Sportdirektor Ralf Minge. Durch die guten Kontakte zu Vereinslegende Matthias Sammer in seiner Funktion als Sportdirektor von Bayern München kam es im August zu einem Benefizspiel des Rekordmeisters in Dresden. Die Münchner verlangten keine Antrittsgage, die Fans zahlten doppelten Eintritt und die Fernsehübertragung brachte zusätzliche Einnahmen. Unter dem Strich standen laut sport1.de rund zwei Millionen Euro Einnahmen. Mit der Stadt Dresden konnte Schäfer zudem einen Zuschuss zur Stadionmiete in Höhe von 1,5 Millionen Euro jährlich bis 2019 vereinbaren. Auch die guten Ergebnisse im DFB-Pokal in der letzten Saison haben zu dem guten Ergebnis beigetragen. Erst im Achtelfinale unterlagen die Dresdner dem späteren Finalisten Borussia Dortmund. Die Niederlagen gegen Münster, Erfurt und Kiel zum Auftakt der Rückrunde 2014/15 ließen das Portal wettfreunde.net allerdings im Vorfeld der Pokalbegegnung zu der Ansicht kommen, dass „dem Drittligisten aus Dresden seine ganz eigene Krise zu schaffen macht“. Das Spiel ging mit 0:2 verloren und Dresden konnte sich wieder ganz auf die Ligaspiele konzentrieren.

Dynamo Dresden
Bild: Infos SG Dynamo Dresden. Bildquelle: Eigene Darstellung

Die aktuelle Situation im Umfeld

Neben dem Geld und dem Erfolg waren auch die Fans ein Problem. Pyrotechnik, Krawalle und Randale sorgten immer wieder für Sanktionen seitens des DFB. Höhepunkt war dabei der Ausschluss aus dem DFB-Pokalwettbewerb in der Saison 2013/14. Eines der gefürchtetsten Spiele zu Saisonbeginn war die Partie gegen den 1. FC Magdeburg, der nach Jahren der Tristesse wieder den Sprung in die deutschen Profiligen geschafft hatte. Selbst Vereins-Insider bekamen Bauchschmerzen, wenn sie an das Aufeinandertreffen beider Fangruppen dachten. Es geschah jedoch etwas völlig Überraschendes. Das Spiel verlief nicht nur friedlich, sondern die Dresdner Fans boten eine Choreografie, die Justin Eilers später als „Weltklasse“ bezeichnen sollte. Die größte Blockfahne, die je ein Stadion in Europa gesehen hat, wurde aufgerollt und zog sich mit Ausnahme des Gästeblocks fast über das gesamte Stadion hin.

                                Fakten zur Blockfahne der Dynamo-Fans
Fläche

15.750 m²

Länge

450 Meter

Höhe

35 Meter

Kosten

25.000 Euro

Wortlaut

„Die Legende aus Elbflorenz der Verein mit den besten Fans!“

Vorbereitungszeit

851 Tage

In der laufenden Saison sind die Dynamo-Fans kaum negativ aufgefallen. Ein Grund könnte darin liegen, dass viele der Hooligans sich bei den PEGIDA-Aufmärschen ein neues Betätigungsfeld suchten. Geschäftsführer Robert Schäfer betrachtet die Entwicklung mit Freude: „Es hat sich vieles zum Positiven verändert. Viele sagen jetzt: Es ist vielleicht nicht besser, aber auch nicht schlechter als bei anderen Vereinen.“ Besser als bei anderen Vereinen ist zumindest der Zuschauerschnitt. Mit 27.700 Zuschauern pro Spiel können nicht mal die Erstligaaufsteiger Darmstadt und Ingolstadt mithalten, geschweige denn das Gros der 2. Liga. Lediglich der FC St. Pauli und RB Leipzig haben mehr Zuschauer. Das verbesserte Umfeld hat auch wieder mehr Sponsoren angezogen. Zeiten, in denen kaum ein Trikotsponsor gefunden werden konnte, sind vorbei. Hauptsponsor ist aktuell die Brauerei Feldschlösschen. Mit Ausrüster Erima und Exklusiv-Partnern wie die Ostsächsische Sparkasse Dresden, den Dresdner Stadtwerken oder der Gagfah Group haben namhafte Unternehmen aus der Region wieder Vertrauen in den Verein.

Zukunftsaussichten des Vereins

Den Aufstieg in die 2. Liga kann sich Dynamo Dresden im Grunde nur noch selbst verbauen. Wenn die Konzentration der Spieler nicht nachlässt, dürfte einer der beiden zum Aufstieg berechtigten Plätze locker zu schaffen sein. Danach wird es darauf ankommen, wie der Kader für die Ansprüche der 2. Liga verstärkt wird. Trainer Uwe Neuhaus kennt die 2. Liga jedenfalls durch seine 7-jährige Tätigkeit von 2007 bis 2014 beim 1. FC Union Berlin aus dem Effeff. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen bei einer sportlichen Krise nicht gleich wieder überstürzt handeln, wie es in den letzten Jahren oft der Fall gewesen ist. Seit der Wende hat bis auf Christoph Franke (07/2001 bis 12/2005) kein Trainer länger als zwei Jahre bei Dynamo Dresden arbeiten können. Klublegenden wie Klaus Sammer, Ralf Minge, Hans-Jürgen Kreische, Udo Schmuck und Hartmut Schade konnten sich dabei ebenso wenig durchsetzen wie bekannte Trainer, zu denen unter anderem Horst Hrubesch, Rolf Schafstall, Norbert Meier, Eduard Geyer und Ruud Kaiser gehören. Sollte sich der Klub in der 2. Bundesliga etablieren, kann auch wieder das Ziel 1. Bundesliga angepeilt werden. Wie schwer es ostdeutsche Vereine bezüglich Sponsoren und Finanzierung haben, ist bekannt. Aber als Landeshauptstadt von Sachsen dürfte trotz allem genügend Potenzial vorhanden sein, um in nicht allzu ferner Zukunft wieder einen erstklassigen Fußballverein zu beherbergen. Das ist jedoch noch Zukunftsmusik. Kurzfristig peilt die Dynamo die Zweitklassigkeit an. Die nächsten zwanzig Punktspiele werden darüber entscheiden.

Bildquelle: leoks – 211195852 / Shutterstock.com
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