VC Dresden: Die Entwicklung des Nachwuchs

Während in der 2. Bundesliga, in die der VC Dresden erstmals 2005 aufstieg, das Team zum großen Teil aus Spielern bestand, die aus dem erfolgreichen VC-Nachwuchszentrum hervorgegangen sind bzw. diesem noch angehörten, stellte der Aufstieg in Deutschlands Eliteliga im Jahr 2012 an das Team und den Verein grundlegend neue, erheblich höhere Anforderungen. Das betrafen neben wirtschaftlichen und strukturellen Aspekten insbesondere sportliche  Herausforderungen. Das VC-Team traf nun auf die besten Clubmannschaften Deutschlands, die durchweg finanziell besser ausgestattet und deshalb zum großen Teil auch mit ausländischen Stars besetzt sind.  Um in dieser Liga bestehen zu können und sich stetig weiter zu entwickeln, muss das Team entsprechend den finanziellen Möglichkeiten systematisch verstärkt werden. Das stellt auch an die Nachwuchsausbildung des VC Dresden bedeutend höhere Anforderungen, wenn die besten Talente den Sprung in das eigene Bundesligateam schaffen sollen. Daraus ergeben sich automatisch Wechselwirkungen zwischen dem Aushängeschild des Vereins, der Bundesligamannschaft mit seinem Leitungsteam, und dem Nachwuchsbereich, einschl. 2. Männermannschaft,  mit seinen Verantwortlichen.

Über diese Wechselwirkungen sprach Rolf Hiecke mit den beiden  Geschäftsführern der VC Dresden Spielbetriebs GmbH Jan Pretscheck und Mathias Broda.

Jan, Du bastelst derzeit mit dem Trainer Zoran Nikolic am Kader des Bundesligateams für die neue Saison. Welche Erwartungen habt Ihr dabei an die Nachwuchsausbildung im Verein?
Jan Pretscheck: Wir hoffen natürlich, dass in den nächsten Jahren weitere Dresdner Talente den Sprung in die Bundesligamannschaft schaffen. Es ist uns bewusst, dass dafür auch der Verein vor allem in die Trainerstruktur investieren muss. Mit Sven Dörendahl als Sportdirektor und Jugendleiter Niklas Peisl sind absolute Fachleute in Führungspositionen, so dass ich diesbezüglich sehr optimistisch bin.

Unterstützt Ihr als Geschäftsführer der GmbH auch die Nachwuchsausbildung des Vereins?
Matthias Broda:
Selbstverständlich, wir sitzen ja alle in einem Boot, denn ohne den VC Dresden eV gibt es keinen Erstliga- Männervolleyball in Dresden. Die vielen Helfer am Spieltag kommen ja zum Großteil aus den Reihen des Vereins. Es beteiligen sich die Jugendmannschaften, die Freizeitmannschaften und auch die Trainer des Vereins, um jeweils den Spieltag zu einem Erlebnis für die Fans werden zu lassen.
Es ist unbestritten, dass eine bessere Nachwuchsausbildung mit höheren Kosten verbunden ist. Wir – und da sprechen beide Geschäftsführer eine Sprache – als Verantwortliche des Bundesligateams reden deshalb viel mit unseren Sponsoren auch über Investitionen in unseren Nachwuchs. Wir stehen dort sogar vor einem Durchbruch, dass gerade der Nachwuchsbereich über das Bundesligateam im Rahmen eines angestrebten Kooperationsvertrages finanzielle Mittel in nennenswerter Höhe schon zur neuen Saison zur Verfügung gestellt bekommt.

Gibt es weitere Beispiele?

Matthias Broda: Unser neuer Gesundheitspartner Barmer GEK geht diesen Weg vom ersten Tag an mit. Prämien zur Mitgliederwerbung gehen direkt an den Verein. Gerade aus dem Umfeld der Bundesligamannschaft haben sich bereits viele Versicherte für die Barmer GEK entschieden und damit auch aktiv den Verein unterstützt.
Aber auch Sponsorenveranstaltungen, wie z. B. das Drachenboottraining haben dazu geführt, dass zusätzliche Spenden für die „Jungwölfe“ gesammelt wurden. Dies werden wir auch zukünftig fortsetzen. Wir hoffen, damit zum Gelingen der Wiederherstellung der alten Stärke im Nachwuchsbereich beitragen zu können.

Der VC Dresden mit seinen starken Nachwuchsmannschaften war vor Jahren gefürchtet in Deutschland.
Jan Pretscheck: Der VC Dresden hat noch immer einen sehr guten Ruf. Allerdings unbestritten sind die Leistungen zuletzt etwas schwächer gewesen. Aber schon in Jg. 97/98 sind ein, zwei Spieler, welche ich in 2,3 Jahren in der 1. Bundesliga sehe, und auch danach gibt es einige hoffnungsvolle Talente, die einfach entsprechend aufgebaut werden müssen.

Jan, Du hast in Deiner Zeit als Nachwuchstrainer des VC Dresden mit Deinen Teams 5 Deutsche Meisterschaften und weitere Silber- und Bronzemedaillen gewonnen. Zudem hast Du großen Anteil an der sportlichen Entwicklung der ehemaligen VC-Talente Simon Hirsch zum aktuellen Nationalspieler sowie Paul Sprung und Oskar Klingner zu Junioren-Nationalspielern. Was war damals das Erfolgsrezept?

Jan Pretscheck: Es ist immer harte Arbeit und eine gute Zusammenstellung des Teams um das Team. Wie schon gesagt, mit Sven Dörendahl und Niklas Peisl sind jetzt wieder absolute Fachleute in Führungspositionen, und der Erfolg wird sich auch wieder sichtbar einstellen. Davon bin ich überzeugt. Ich hatte das große Glück, Meilensteine der Entwicklung beim VC Dresden live mitgestalten zu können (s. dazu auch die ergänzende Anmerkung des Fragestellers am Ende des Beitrages), und unsere Reise ist noch lange nicht zu Ende. Ich möchte mich da auch gern wieder persönlich mehr einbringen, wenn mein in den nächsten Tagen erwarteter Nachwuchs die ersten Lebenswochen gut gemeistert hat.

Wie werdet Ihr konkret die Bemühungen des Vereins noch mehr unterstützen, die alte Leistungsfähigkeit wieder herzustellen?
Matthias Broda: Wir wollen wieder enger mit dem Vorstand zusammenarbeiten. Wir hoffen, dass die gemeinsame Arbeitsgruppe auch wieder vereinsseitig besetzt wird. Ebenso hoffen wir auf den gezielteren Austausch von Ideen und Argumenten, um ein gemeinsames Ziel auch nach außen zu verfolgen – hier gibt es in jedem Fall noch Reserven. Die komplette Zusammenarbeit soll möglichst in 2- 3 Monaten in einem Kooperationsvertrag festgehalten sein, den wir sehr gern dann der Mitgliederversammlung des Vereins präsentieren wollen. Wir wollen alle Vereinsmitglieder überzeugen, denn langfristig werden alle Mitglieder von der Bundesligamannschaft profitieren.
Jan Pretscheck: Wir werden in jedem Fall die Mitarbeit unseres Trainers Zoran Nikolic aktiv anbieten. Zudem haben wir in die bereits geschlossenen Spielerverträge aufgenommen, dass unsere Spieler Jugendturniere und Trainingseinheiten des Nachwuchsbereiches besuchen und sich ebenso aktiv einbringen müssen. Letzte Saison hat dies nicht so gut geklappt. Da hatten wir leider einige Spieler, die bei solchen Terminen auch kurzfristig abgesagt haben, und wir konnten das noch nicht vertraglich sanktionieren. Unsere jungen Talente sollen ihre Vorbilder nicht nur als Zuschauer erleben. Wir wollen auch dort ein gemeinsames Miteinander schaffen, wie es früher eine Stärke des VC Dresden war.

Autor: Rolf Hiecke (VC Dresden)

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