VC Dresden – das haben sich alle anders vorgestellt

Der VC Dresden unterlag im Kellerduell der 1. Bundesliga zu Hause der VSG Coburg/Grub mit 1:3 (26:28, 26:24, 22:25, 19:25) und fiel auf den letzten Platz zurück.

Wer nach dem Ausschluss von Bottrop aus der laufenden Saison und damit der vorzeitigen Klärung des Absteigers von fehlender Spannung in der 1. Bundesliga sprach, wurde in diesem Match eines Besseren belehrt. Die ca. 800 Zuschauer sahen ein heißes, kampfbetontes Match von beiden Mannschaften, auch wenn das Niveau dieses Kellerduells manchen Wunsch offen ließ.

Die Gastgeber traten erstmals mit neuen Trikots an, auf denen der neue Brustsponsor factum AG http://www.factum-immobilien-ag.de/index.html präsentiert wurde. Das Unternehmen bietet Dienstleistungen rund um die Immobilie an, z. B. im Rahmen von Verkauf und Vermietung von Immobilien.

Die Dresdner erwischten einen glänzenden Start mit variablen Angriffen und einen sicheren Block. Sie führten bereits 18:13, als sie unerklärlich den Faden verloren. Mit fünf Aufschlagfehlern, drei Netzberührungen beim Block und drei verschlagenen Angriffen servierten sie den bereits geschlagenen Gästen den Satzgewinn förmlich auf dem Tablett. Die Coburger ließen sich dieses Angebot nicht entgehen und gewannen den ersten  Abschnitt mit 28:26. Bei den Dresdnern lagen die Nerven blank, und das konnten sie auch im weiteren Spielverlauf nicht abstellen.

Im zweiten Satz wogte der Kampf hin und her. Keine Mannschaft konnte einen deutlichen Vorsprung erringen. Bei 24:22 hatten die Wölfe ihren ersten Satzball, den die Gäste mit einem Doppelblock gegen Eric Grosche abwehrten und zum 24:24 ausgleichen konnten, bevor durch Alan Wasilewski und einen verschlagenen Coburger Angriff schließlich der 26:24-Satzerfolg erzielt wurde.

Mit einer 3:0-Führung starteten die Gastgeber in den dritten Abschnitt, und die Zuschauer hofften nun auf die Wende in diesem Match. Doch nach Block- und Angriffsfehlern der Gastgeber führten die Gäste zur ersten technischen Auszeit mit 8:5 und später mit 12:7. Trainer Jan Pretscheck brachte für Tino Walter den jungen Martin Kross, der eigentlich in der 2. Mannschaft des VC Dresden in der Dritten Liga spielt. Diese Auswechselung zahlte sich aus, denn die VC-Männer schafften bei 17:17 den Ausgleich. Nach dem 21:21 leisteten sich die Gastgeber leichtfertig wieder zwei Aufschlag- und einen Angriffsfehler, so dass dieser Satz mit 25:22 an die Gäste aus Franken ging.

Dieser Satzgewinn hatte den Coburgern zusätzliche Sicherheit verliehen. Die Dresdner entwickelten mit Ausnahme von Eric Grosche keinen nennenswerten Druck mit ihren Aufschlägen. So konnten die Gäste über ihren guten Zuspieler Merten Krüger ein schnelles, variables Angriffsspiel aufziehen. Da die beiden VC-Mittelblocker in keiner Phase des Spiels eine Bindung zu den Aktionen des Gäste-Regisseurs fanden, hatten die Coburger Angreifer, allen voran Diagonalangreifer Daniel Malescha, oft gegen Dresdner Einerblöcke leichtes Spiel. Die Franken zogen 7:4 in Front und bauten die Führung auf 19:15 aus. Mit großem Kampfgeist stemmten sich die Gastgeber gegen die drohende Niederlage und schafften durch Eric Grosche den Anschluss zum 18:19. Anschließend erhielt Santino Rost, der eine Spielverzögerung der Gäste beim ersten Schiedsrichter Tobias Markfeld monierte, von diesem gleich die Rote Karte gezeigt. Diese Entscheidung löste ein gellendes Pfeifkonzert des sachkundigen Dresdner Publikums aus. Damit stand es 18:20, und das Spiel war praktisch entschieden. Der Satz endete schließlich 19:25. Die Gäste gewannen das Spiel verdient mit 3:1, denn sie waren insgesamt das bessere Team. Sie sind froh, dass sie nach fast einer kompletten Halbserie die Rote Laterne endlich loswerden und den VC-Männern überreichen konnten. Bei den Dresdnern, die über das gesamte Spiel hinweg eine hohe Kampfmoral zeigten, erreichte nur Kapitän Eric Grosche Normalform. Das ist zu wenig, um in einem Bundesliga-Spiel erfolgreich zu sein. Ein Lob verdient auch der junge Martin Kross, der aus der Dritten Liga kommend für Belebung im verunsicherten Wolfsrudel sorgte.

Als wertvollste Spieler wurden die Kanoniere beider Mannschaften ausgezeichnet: Daniel Malescha (VSG Coburg/Grub – 18 Punkte) und Eric Grosche (VC Dresden – 23 Punkte).

Gästetrainer Milan Maric war verständlicherweise zufrieden: „Das Team hat heute endlich gezeigt, was ich schon die ganze Saison erwarte, wir haben heute viel konstanter gespielt, und mein gutes Gefühl vor dem heutigen Spiel hat mich nicht enttäuscht!“

Der neue VC-Trainer Jan Pretscheck meinte: „Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen, aber durch viele Fehler, insbesondere in Block und Aufschlag, haben wir uns letztlich selbst besiegt. Die lange Spielpause im gesamten Dezember hat den Rhythmus empfindlich gestört. Vor uns liegt in der nächsten Zeit viel Arbeit.“

Der neue VC-Co-Trainer Sven Dörendahl traf mit seiner Mutmaßung „den Nagel auf den Kopf“: „Vielleicht sind einige Spieler auch mit dem Druck, dass nach dem Trainerwechsel jetzt alles besser werden muss, nicht klargekommen.“
Die Startformation des VC Dresden: Z: Santino Rost, D: Stefan Grudsinski, AA: Eric Grosche, Tino Walter, MB: Robert Schramm, Alan Wasilewski, L: Martin Merkel.
Martin Kross für Tino Walter, der gesundheitlich angeschlagene Raphael Möllers (Kurzeinsätze) und Christian Heymann (Kurzeinsatz) wurden eingewechselt.
Eder Pinheiro fehlte wegen Muskelfaserriss.

Autor: Rolf Hiecke (VC Dresden)

Kommentar verfassen