Gewalt – Der Verein ist nicht Schuld!

Wieder und wieder beschäftigen wir uns in Dresden mit Dynamo Dresden und gewaltbereiten Menschen. Es sind zwei Unterschiedliche Sachen die hier aufeinander treffen, dass möchte ich für mich einmal klarstellen. Dynamo hat sein Ligaspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern mit 0:3 verloren. Danach sind Dinge geschehen, welche nichts mit Fußball zu tun haben. Es sind die Menschen, welche zu Gewalt  neigen und die, welche sich dazu verleiten lassen. Sei es wegen der Emotionen oder aus anderen Gründen. Gewalt hat nichts mit Sport zu tun, sondern mit dem Mensch.

Da ich nicht selbst vor Ort war, möchte ich beispielhaft den Text von Riccardo Berger, 1.Vorsitzender von „Ein Herz für Dynamo“ zitieren:

Das „Herz für Dynamo“ hat aufgehört zu schlagen…. Ein kritischer Nachbericht zu den Ereignissen beim gestrigen Auswärtsspiel in Kaiserslautern Das was ich gestern erleben „durfte“, war so ziemlich das heftigste, was mir in 25 Jahren Dynamo untergekommen ist. Das es wieder mal ein paar Idioten auf die Reihe bekommen haben, ihre scheiss Pyroshow zu veranstalten, war fast vorherzusehen.Es waren ja wahrscheinlich wieder mal nicht die Ultras, denn die stehen ja auch nicht ganz unten im Block.Da stehen ja die älteren, gemässigten Semester.Die waren es bestimmt.Diese Vollpfosten haben ihren eigenen Leitsatz bis heute nicht begriffen: „Alles für den Verein!“.Oder muss es heissen: „Wie schade ich meinem Verein am meisten?“.Bald könnt ihr alles für Euren Verein Red Bull Leipzig geben, denn die SG Dynamo Dresden katapultiert ihr mit solchen Sinnlos-Aktionen direkt in die Insolvenz.Aber Hauptsache ihr nominiert Euch mit unter die Top 5 bei der Verlosung zum Randalemeister 2013.Einfach mal eine Zeit lang die Füsse stillhalten geht ins Hirn wahrscheinlich nicht rein.Und ihr seit es doch dann wieder, die sich über die Sanktionen des DFB beschwert und gegen schärfere Kontrollen und Nacktscanner-Zelte wettert.Unglaublich naiv. Das schlimmste am gestrigen Abend war aber leider die Tatsache, das wenn Dynamo spielt, wirklich „Bürgerkrieg“ ist! Es ist zwar absolut unverständlich, das man beim „Abgang“ vom Betze 4 leere Shuttlebusse mit Polizeifahrzeugen nach oben eskortiert, aber die gefüllten Busse volle Kaiserslautern-Fans beim Herunterfahren vom Berg sich slber überlässt und weit und breit keine Sicherheitskräfte zu sehen waren, obwohl bekannt war, das sich der Gästeanhang auf dieser Strasse Richtung Autos/Busse bewegt.Völlig unversändlich ist es auch, das sich viele Dynamofans von winkenden Taschentüchern so derart provozieren lassen, das einige Leute anfangen, die Busse zu attackieren. Das es sich derart zuspitzt, das 4 Shuttlebusse von 200-300 gewaltbereiten Anhängern umzingelt und umstellt waren,ist unglaublich.In den Bussen befanden sich zum grössten Teil Frauen, Kinder und ältere Personen.Den Bussen wurden die Aussenspiegel abgerissen, die Kennzeichen abgetreten.Die Scheiben wurden mit eingeschlagen mit allem, was die Strasse hergab.Mit Tannenbäumen und Bauzäunen wurden Strassenbarrikaden errichtet,um die Busse an der Weiterfahrt zu hindern, in die Busse wurde eingedrungen und wahllos auf die Insassen eingeprügelt.Die 2 Mülltonen amunteren Ende der Strasse, in denen vor dem Spiel die Glasflaschen von der Polizei gesammelt wurden, sind nicht weggebracht worden und dienten nun als Munitionslager zum Beschuss auf die Busse.Büchsenwerfen auf dem Rummel ist dagegen Kindergeburtstag!Ein Einsatzwagen der Polizei mit 2 Polizisten darin wurde von ca. 20 Personen mit allem möglichen angegiffen.Die Todesangst der beiden kann ich irgendwie nachvollziehen. Muss das alles so sein?Was wäre gewesen, wenn da irgendwo Pflastersteine gelegen hätten?Diese wären dann wahrscheinlich ebenfalls in die Busse geflogen.Wir Dynamofans haben das uns auferlegte Klischee wiedermal vollstens bestätigt, uns nicht wie Menschen, sondern wie Zombies und Tiere verhalten!Insgesamt 70.000 Euro Sachschaden!Wow!Wir können echt stolz auf uns selber sein! Das ist leider nicht mehr „Mein Dynamo“, für das ich seit 25 Jahren einstehe!Ich schäme mich für soviel Dummheit und vor allem Feigheit!Es muss sich gewaltig was ändern, und zwar ganz schnell. (Quelle)

Ein Sportverein, der sich, wie jeder andere Verein seine Anhänger nicht aussuchen kann, sollte für Taten gewaltbereiter Menschen auch nicht bestraft werden. Man kann Menschen von einer Mitgliedschaft ausschließen, man kann Stadionverbote verhängen, aber man kann nicht verhindern, dass die Menschen sich als Anhänger zu einer bestimmten Gruppe zugehörig fühlen. Das Fußball in Deutschland, als verbreitetste Sportart mit dem größten Interesse, eine gute Plattform darstellt um Aufmerksamkeit zu erzeugen, sollte uns allen bewusst sein. Wäre Fußball eine Randsportart, dann würde es eine andere Sportart betreffen, die sich mit diesen Menschen auseinandersetzen müsste. Hier liegt auch ein Problem, bei dem sich die Politik bisher größtenteils heraus hält. Wie schafft man es, dass die Leute vernünftig werden?

Die Aufgaben zur Lösung dessen werden an die Vereine abgeschoben, es werden Fanbeauftragte eingestellt, die eine Kommunikationsschnittstelle zwischen Verein und Fan darstellen sollen. Doch an welche Leute kommt der Beauftrage heran? An die, die es wollen. Wer nicht mit sich reden lassen will, der lässt es. Der Verein kann sich nicht um alle Leute und deren Probleme kümmern. Das ist nicht seine Aufgabe, sondern die des Staates und der Gesellschaft. Oft können wir uns gar nicht vorstellen, was im Kopf derer vorgeht, die zu Gewalt neigen. Vielleicht ausgelöst durch eine innere Unzufriedenheit, welche von einer Niederlage in Frust und Gewalt verstärkt wird? Bei jedem ist dies sicher unterschiedlich und eben deswegen so schwer zu verstehen. Das Thema ist meiner Meinung nach so komplex, dass Vereine oder Sportverbände zurecht damit überfordert sind.

Eine zufriedenstellende Lösung wird es in naher Zukunft nicht geben. Es kann sein, dass es in Stadien, durch personalisierte Tickets, Nacktscanner und was noch alles in Überlegung ist um die Stadionsicherheit zu gewährleisten, bald nicht mehr zu Randale und Gewalt kommt. Probleme und Spannungen in der Gesellschaft wird es aber immer geben (kurzer Hinweis auf die Randalen in England), nur die Plattform ist dann vielleicht eine andere.

4 Gedanken zu „Gewalt – Der Verein ist nicht Schuld!

  • 10. Februar 2013 um 13:38
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    Ich stimme dir zu, dass es sich nicht um ein Problem handelt, deren Ursache im Fussball oder dem Verein zu suchen ist. Ich stimme dir aber nicht zu, das das Problem nicht auch von seiten aller Vereine angegangen werden muss. Ich spreche mich hier nicht für Nacktscanner etc. aus, sondern für jede Art von Bildungsarbeit.

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    • 10. Februar 2013 um 14:02
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      Da habe ich mich wohl nicht ganz korrekt ausgedrückt. Natürlich müssen sich auch Vereine mit dem Problem auseinander setzen. Das machen sie ja auch, siehe Beispiel Fanbeauftragter (es gibt natürlich noch viel mehr Maßnahmen, welche auch auf Aufklärung und Bildung beruhen) meiner Meinung nach gut. Nur werden meiner Meinung nach die Vereine oftmals allein damit gelassen.

  • Pingback:Randalierende Dynamo-Fans, Erinnern an die Verbrechen im Nationalsozialismus und asiatische Neujahrsfeste in Dresden | Hello DD!

  • 29. Mai 2013 um 23:06
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    Wieso kommt es eigentlich bei Leichtathletik-Veranstaltungen nicht zu Gewaltexzessen, auch wenn 50.000 Zuschauer da sind?

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