Wird in Dresden bald kein Baseball mehr gespielt?

Gestern erhielt ich die Nachricht aus der Pressestelle des Baseball und Softball Dresden Dukes Vereins. Und im ersten Moment war ich schockiert. Was erlaubt sich die Stadt nun schon wieder. Die Fans der Dresdner Eislöwen haben erst das Problem mit dem Schaden am Dach der Eissporthalle hinter sich, welches die Stadt lange hinausgezögert hat und nun als „Retter in der Not“ dasteht. Obwohl sie Eigentümer der Halle und damit auch für den Spielbetrieb und die Sicherheit verantwortlich ist.

Hier kommt das Gefühl auf, dass für einen kleinen Verein einfach nicht genug Unterstützung geboten wird. Und das Problem auf eine nicht akzeptable Weise geklärt werden soll. Einen Verein keine Vernünftigen Alternativen anzubieten und damit die Existenz zu bedrohen ist keine Lösung.

Die Pressemitteilung

Nachdem dem Baseball und Softball Dresden Dukes e.V. im Frühjahr kurzfristig der Sportplatz am Narzissenweg 9 für sämtliche Baseballspiele der Saison 2012 gesperrt wurde, folgt nun ein weiterer Rückschlag für den Baseballsport in Sachsen. Die

Verantwortlichen des Sportstätten- und Bäderbetriebs haben dem Verein schriftlich mitgeteilt, dass auch die einzige Ausweichfläche an der Schwimmhalle in Klotzsche nicht umgebaut werden könne. Obwohl der Platz dort groß genug ist, fehle letztendlich das Geld, um ihn zu einem kombinierten Baseball- und Softballfeld
umzugestalten. Nachdem der Verein im Mai noch auf die Saison 2013 vertröstet wurde, können nun die Kosten für den Umbau, ca. 36.000 – 40.000 Euro, nicht mehr im Haushaltsplan 2013 berücksichtigt werden. Weiterhin heißt es in dem Schreiben vom Leiter des Sportstätten- und Bäderbetriebes, Sven Mania, dass dem Verein auch
in den Folgejahren keine Hoffnung auf eine Umsetzungsmöglichkeit gemacht werden könne.

Diese Entscheidung trifft den Verein äußerst hart, da damit auch eine Teilnahme des viermaligen Meisters (2004, 2007, 2008, 2010) in der Mitteldeutschen Liga Baseball (MDLB) ab 2013 nicht mehr möglich wäre. Wurde noch in Magdeburg 2010 ein komplett neuer Baseballplatz eröffnet und der Platz in Leipzig in diesem Jahr sogar
für die Regionalliga hergerichtet, steht diese Entscheidung im starken Kontrast zur Entwicklung des Baseballsports, nicht nur in den neuen Bundesländern, sondern auch in ganz Deutschland und Europa. In der Baseball-Schmiede Regensburg fanden zum Beispiel im Rahmen der WM 2009 schon Länderspiele vor mehr als
10.000 Zuschauern statt. Auch der amtierende Weltmeister kommt nicht etwa aus den USA oder Kuba, sondern aus den Niederlanden. Das verdeutlicht die zunehmende Popularität von Baseball hierzulande. Auch bei den Dresden Dukes haben die Mitgliederzahlen seit der Gründung des Vereins 1998 stetig zugenommen. Doch jetzt steht die Abteilung Baseball mit 35 Mitgliedern vor dem Aus. Dass dies auch ein Schlag gegen die gelungene Integration von Ausländern und Migranten bedeutet, ist im „weltoffenen Dresden“ wohl kaum jemandem bewusst. In den fast 15 Jahren haben neben den momentan neun aktiven Spielern mehr als 25 Spieler aus der ganzen Welt bei den Dukes gespielt. Nicht nur aus den USA und Kuba, wo Baseball sehr populär ist, sondern unter anderem auch aus der Dominikanischen Republik, Japan, Honduras, Frankreich, Russland, Mexiko, China, Nicaragua,
Südkorea und Finnland.

Auch die anderen Bereiche des Vereins sind durch diese Entscheidung betroffen. Denn obwohl auf dem Sportplatz Narzissenweg zwar noch Softball gespielt werden darf, würde der Verein durch die Auflösung der Abteilung Baseball mindestens die Hälfte der Mitglieder verlieren. Ob durch das Fehlen dieser Mitgliedsbeiträge noch ein
Trainings- und Spielbetrieb finanziert werden kann, muss der Verein bis zur Rückmeldung für die Saison 2013 nun erst einmal prüfen. Auch die gute Jugendarbeit der letzten Jahre wird ohne Hoffnung auf ein Baseballfeld zunichte gemacht. Haben 2011 fünf Jugendliche den Sprung vom Jugendbereich in die zweite Baseball-Mannschaft geschafft, fehlt ihnen nun natürlich jede Motivation sich in ihrem Sport weiterzuentwickeln. Zudem fallen die ehrenamtlichen Übungsleiter weg, die derzeit noch in den Männer-Mannschaften aktiv sind. Der Verein kritisiert nicht nur die Entscheidung des Sportstätten- und Bäderbetriebes, sondern auch die Hinhaltetaktik der Verantwortlichen. Obwohl schon zum Ende der Saison 2011 Beschwerden von Anwohnern bei der Stadt eingegangen waren, wurde der Platz erst zwei Tage vor dem ersten Heimspiel im April 2012 wegen der Querschläger gesperrt. Trotz der Tatsache, dass der Verein mehr als zehn Vorschläge für Ausweichplätze bei der Stadt einreichte, bot die Stadt nur den Sportplatz am Windkanal in Klotzsche als Alternative an. Dass dieser Platz aber selbst noch 2013 für den Schulsport genutzt werden muss, wurde dem Verein erst zwei Monate später mitgeteilt. Erst danach erhielt der Dresden Dukes e.V. seitens der Stadt, nach wiederholter Nachfrage, das Angebot, die Rugby/Cricket-Fläche im Ostragehege zu nutzen, um wenigstens noch 2012 ein Heimspiel in Dresden
austragen zu können. Dies erfolgte allerdings ohne Rücksprache mit den beiden ansässigen Vereinen, dem Rugby-Verein Dresden e. V. und dem RV Dresden Cricket Club. Erst nachdem der Dresden Dukes e.V. beide Vereine kontaktiert hatte, stellte sich heraus, dass keine freien Spieltage mehr zur Verfügung standen und auf dem Platz keine baulichen Veränderungen möglich sind. Dass nun trotz aller Bemühungen seitens des Baseballvereins doch das Aus für 2013 und die „folgenden Jahre“ beschlossen wurde, enttäuscht umso mehr. Vielleicht hätte sich der Verein doch lieber gleich zu Saisonbeginn für den unglaublichen Vorschlag von Abteilungsleiter Jörn Verleger entscheiden sollen, außerhalb von Dresden einen neuen Platz zu suchen…

Autor: Felix Ruhnow

Noch sind keine weiteren Schritte bekannt. Ich werde euch aber natürlich auf dem laufenden halten. Der Verein braucht jetzt auf jeden Fall die Unterstützung von euch. Was die Stadt nicht will, das sollten wir als Dresdner selbst in die Hand nehmen.

 

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3 Gedanken zu „Wird in Dresden bald kein Baseball mehr gespielt?

  • 6. August 2012 um 11:42
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    Das ist eine Unverschämtheit.
    Wieso wird einer solchen Sportart nicht Unterstützung angeboten wo möglich, und andernorts wird der Fußball gepusht das man meinen könnte es gäbe nichts anderes mehr?
    Vorallem man kann es nochtmal über Spenden finanzieren, weil man damit rechnen muss, das die Stadt als Eigentümer des Sportplatzes, hinterher vielleicht doch noch andere Pläne mit dem Platz hat. Es gibt keine Garantie das die Dukes ihren platz behalten würden.

    Traurig genug das die Ligaspiele derzeit in Erfurt ausgetragen werden müssen. Das stärkt nicht gerade das Selbstbewusstsein einer Mannschaft.

    Ich hoffe mit ein wenig Druck durch die Öffentlichkeit wird noch etwas möglich gemacht, das angeblich nicht finanzierbar ist.

    Antwort
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